Nachdem der Rummel um Knut gerade mal ein wenig abgeklungen war, tritt mit dem Wollknäuel Flocke auch schon ein weiteres Eisbärbaby die Nachfolge als kollektiver Liebling der Deutschen an.
Die Meinungen darüber könnten unterschiedlicher nicht sein. Während die einen darüber schimpfen, dass uns nun wieder tagtäglich ein Bärchen von den Titelblättern der Gazetten anlacht, ist der Großteil der Bevölkerung jedoch von der Wiederholung dieses modernen Tiermärchens regelrecht begeistert.
Ich bin auch sehr froh darüber, dass die kleine Flocke am Leben bleiben durfte. Nicht nur, weil sie wirklich super süß ist. Sie erinnert mich einfach an den letzten Sommer, als wir uns alle wochenlang über ihren Vorgänger Knut, die tolle Fußballweltmeisterschaft und das traumhafte Wetter freuen konnten.
Weil ich weiß, dass das vielen so geht, habe ich mir schon ein ganzes Bündel der gerade erst erschienen und absolut gelungenen Flocke-Grußkarten gekauft. Die schönste davon steht auf meinem Schreibtisch und den Rest werde ich wohl nach und nach an Freunde und Bekannte, die die tapsige Nürnberger Eisprinzessin genauso lieb haben wie ich, verschicken.
Und wer weiß? Vielleicht wird ja der kommende Sommer für uns alle, nicht zuletzt dank der Euphorie um die heranwachsende Flocke, erneut eine heiße und leidenschaftlich schöne Zeit…
Vor ungefähr einem Jahr sorgte die Geburt eines Eisbärenbabys und seine anschließende Aufzucht durch Menschenhand für großes Aufsehen. Das schneeweiße Wollknäuel erhielt den Namen Knut und war ständiger Gast auf den ersten Seiten der Tagespresse.
Früh erkannten clevere Unternehmer die Lukrativität des kleinen Eisbären und begannen damit, ihn zu vermarkten. Innerhalb kurzer Zeit begegnete man Knut überall, er wurde als Kuscheltier angeboten, ein Lied wurde ihm geschrieben und letztendlich erschien er auch auf Grußkarten. Und als Krönung wird Knut nun auch noch Filmstar.Knut und seine Freunde wird es ab März in deutschen Kinos zu sehen geben.
Die erste Knut Grußkarte hat nicht nur Kindern Freude bereitet. Sie zeigt, wie der kleine Bär mit seinem Pfleger schmust. Man kann in dieses Bild hineininterpretieren, dass der kleine Knut seinem Ziehvater dankbar sei. Das ist er sicher auch, vorausgesetzt, Tiere haben derart menschliche Regungen. Für den Pfleger bedeutet diese Karte vielleicht eine kleine Anerkennung all seiner Mühen. Die hat er sich verdient und sicher ist in diesem Fall das Verhältnis zwischen Tier und Mensch ein ganz besonderes, aber Knut hat die Instinkte eines Bären und nicht die eines kuscheligen Haustieres. Diese erste Knut-Karte wäre ohne den weiteren Rummel um das Tier eine gewisse Würdigung eines ungewöhnlichen Ereignisses gewesen.
Vor kurzer Zeit sind wieder Eisbären geboren, die nicht von der Mutter versorgt wurden. Der diesmal zuständige Zoodirektor geriet in die Kritik, weil er sich weigerte, in die Natur einzugreifen. Wir Laien kennen aber heutzutage die Bedingungen in der hier gemeinten Natur nicht mehr und werden nur von Mitleid und Fürsorge geleitet und nicht vom Verständnis für die Bedürfnisse eines Raubtieres. Wir sollten aufhören zu versuchen, unsere Welt auch den Tieren aufzuzwingen, sie wollen nicht vermenschlicht werden.